17. Mai 2026

EM-/WM-Ausscheidung 2026 aus Sicht von Jasper Jansen

Ein Wechselbad der Gefühle, wie in der Brandung am Strand von Hyeres bei Anti-Mistral, nur eben in Warnemünde

Ein Bericht von Jasper Jansen, GER 2067

Vorab: Ich freue mich wahnsinnig, dass ich mich bei der EM-/WM-Ausscheidung in Warnemünde letzte Woche zur Teilnahme an der Europameisterschaft in Polen qualifizieren konnte! Ohne die Hilfe ganz vieler Menschen, vor allem in den letzten eineinhalb Jahren, wäre das wohl nicht möglich gewesen. Deshalb danke ich allen, die mir geholfen haben, so weit zu kommen! Natürlich dem NRV, meinen Trainern, insbesondere unserem Cheftrainer Flo, unserer Kader-Trainerin Grit Schmiedehausen, sowie Lorenzo Migliori, Pavlo Dontsov, Moritz Huber, Casper und Michi Illgenstein und David, meinen Teamkollegen beim NRV und im Kader, den anderen Kindern in den Trainingsgruppen und natürlich meinen Eltern als Shore Crew, Mental Coach, Logistik und Reiseabteilung, PR und Sponsoren 😉

Rückblick: Begonnen hat der Törn zur Europameisterschaft vor ca. eineinhalb Jahren auch dank Niklas (Ganssauge). Rufus war schon zur EM-/WM-Ausscheidung 2025 qualifiziert. Clamor und mir fehlten noch Punkte und Niklas meinte, wir könnten es noch schaffen, wenn wir alle Regatten segeln, bei denen noch Punkte zu holen sind. Ab da ging der Zirkus richtig los; als erstes zur Extraschicht an den Baldeneysee. Richtung Ostern wurde es bei mir Immer knapper, eine Quali kaum noch zu schaffen. Letzte Chance Ostereierregatta in Magdeburg. Für den Fall, dass ich es nicht schaffe, hatten meine Eltern und ich das Lake Garda Meeting im Anschluss an Magdeburg schon als Ersatzhöhepunkt der Saison (neben der Deutschen) eingeplant und sind von Magdeburg direkt weiter an den Gardasee gefahren. Zurück in Hamburg dann die Überraschung: Ich stand als 74. von 80 (82) Teilnehmern in der Liste der Startberechtigten. Beendet habe ich die Ausscheidung auf Platz 28. Da wusste ich, dass da in Zukunft etwas gehen könnte…

Es folgten seit dem zahllose Trainingslager und Regatten. Flo hat uns gepusht und Kontakte zu internationalen Trainern aufgebaut. Wir waren in Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich, um auch im Winter bei Welle und Wind für die Bedingungen bei großen Events zu trainieren.

Warnemünde 2026: Dann war es endlich so weit. Die diesjährige EM-/WM-Ausscheidung in Warnemünde stand an. Alles war vorbereitet, jedes Detail doppelt und dreifach gecheckt. Unser Team, Juli (Jeschonowski, GER 1991), Michel (Schauenburg, GER 2009), Leopold (Hansen, GER 2168), Anna (Krupp, GER 2014), Mark (Zakharov, GER 2105), Yves (Poitiers, GER 1676) und ich haben vor den Wettfahrten noch ein paar Tage trainiert. Dann mussten die Optis nur noch durch die Kontrollvermessung bevor es endlich richtig losgehen konnte. Da wir vormittags noch auf dem Wasser waren, musste alles gut getrocknet werden. Flo hat ein paar Ausreitgurte am Ende noch mit dem Föhn bearbeitet. Es hat gepasst. Alle aus unserem Team kamen durch.Am nächsten Tag, Mittwoch, die ersten Wettfahrten. Bei mir ging es zunächst gut los: Rennen 1: Platz 3., Rennen 2: Platz 4., aber es wurde schnell klar, die Jury mochte unseren hart trainierten Segelstil nicht besonders! Juli und Michel kassierten gleich im ersten Rennen je zwei gelbe Flaggen und mussten die Wettfahrt aufgeben. Mark war im zweiten Rennen dran und mich erwischte es im dritten Rennen; vor der ersten Luvtonne war für mich die Wettfahrt vorbei, also ab in den Hafen, 81 Punkte kassiert…

Dann der nächste Schock: ein Protest gegen mich in Rennen 2! Mit Hilfe von Flo, dem Rest des Teams, ein paar guten Ideen, der Videoaufzeichnung des Zielschiffs und dem Wettfahrtleiter als Zeugen, wurde der Protest abgewiesen! Das Adrenalin kochte! Plan für Tag 2: Handbremse etwas anziehen und bloß keine weiteren Flaggen kassieren: Rennen 4: Platz 10, Rennen 5: Platz 12, Rennen 6: Platz 19; nicht schlecht und durch den Streicher nach 5 Rennen Gesamtplatz 5, aber ob das mit zwei Flaggen im Rücken gut genug war, um sich am Ende für EM oder WM zu qualifizieren, stand in den Sternen… Immerhin beruhigte sich die Jury etwas und hatte ihre Flaggen etwas mehr unter Kontrolle. Tag 3: Kein Wind! 3 Rennen ausgefallen. 3 Rennen weniger, bei denen mit gelben Tüchern gewedelt werden konnte, aber auch 3 Rennen weniger für die anderen aus dem Team, sich nach vorne zu kämpfen! Letzter Tag: die Wettfahrtleitung wolle das Maximum herausholen und plante 4 Wettfahrten bei ablandigem Wind zwischen 7 und 14 Koten. Extreme Dreher, Löcher und Böen! Eine Sekunde war die eine Seite klar bevorteilt, ein paar Sekunden später die andere. Mehrfach gab es Startverschiebungen, weil Luvtonne oder Pin End angepasst werden mussten. Dazu ein nervöses Feld, das immer wieder nur durch Start unter Black Flag zu zähmen war. Gleich im ersten Rennen ging es bei mir voll nach hinten los: Platz 62.! Frust! Zusammenreißen! 2. Rennen: Platz 3.! Dann Platz 38 und im letzten Rennen der Serie Platz 23…ob das reichen würde? Durch die wechselnden Bedingungen wurde das gesamte Feld durchgewürfelt und viele f ingen sich sehr schlechte und dann wieder sehr gute Ergebnisse ein.

Das Ergebnis der letzten Wettfahrt wurde online gestellt, als ich durch die Hafeneinfahrt zurück kam: Gesamtplatz 10! EM! Dann die nächste Hiobsbotschaft: eine weitere Flagge! Flo gefragt, Klaus angerufen, alle waren sich einig, da das Rennen genau in dem Augenblick abgebrochen und neu gestartet wurde, zählte die Flagge nicht… Dann das Warten auf das Ende der Protestfrist: keine Proteste gegen mich, aber zwei gegen Kids aus den Top 12. So bin ich noch auf Platz 9 vorgerutscht und fahre tatsächlich im Sommer nach Polen zur EM! WAHNSINN! Der Anlauf war lang: in einem Jahr über 60 Tage Trainingslager, über 50 Tage Regatten, zig tausend Kilometer auf Autobahnen, irgendetwas um die 6 Wochen extra schulfrei, aber es hat irre Spaß gemacht und sich absolut gelohnt. Und die Reise geht ja noch weiter 🙂 Die weiteren Platzierungen: Juli 45., Michel 55., Leopold 67., Anna 68., Mark 73. und Yves 80. Außerdem für den NRV am Start Elly Echternach auf Platz 15 und Sarah Krupp für den MSC und NRV auf Platz 21.

Bis bald, Euer Jasper, GER 2067

Fotos: Holger Jansen